JahrhundertTrainer
Stationen im Ausland
Einige Bilder zu seinen Auslandstätigkeiten befinden sich im Foto-Bereich.
Maritzburg United F. C. (Südafrika 11/2009-3/2011 & 01/2012-heute)
Nach dem wenig erfreulichen Engagement auf Zypern zog es Ernst Middendorp wieder in seine südafrikanische Wahlheimat zurück,
wo er durch seine Erfolge bei den Kaizer Chiefs einen sehr guten Ruf genoss. "Ich
bin nach der Zeit auf Zypern nach Südafrika gekommen, denn mein Hauptwohnsitz
befindet sich in Johannesburg. Zwischendurch war ich auch in den USA, bei den
New York Red Bulls habe ich mit dem Management Gespräche geführt, doch dann
kam die Anfrage von Maritzburg United. Drei Tage später stand ich schon auf dem
Trainingsplatz, ohne genau zu wissen, was mich dort erwartet", so der
Coach, der für 1,5 Jahre unterschrieben hatte. Maritzburg war in der zweiten
Saison erstklassig und nach der Hinrunde nun wieder abstiegsgefährdet. "Seine Professionalität, seine Techniken, zusammen
mit seiner Organisation und Planung ist es, was eindeutig gefehlt hat in den
letzten 18 Monaten im Verein, und wir sind überzeugt davon, dass starkes
Engagement und eine kluge Planung das Team zum Erfolg führen wird", erklärte
Afzal Khan, Geschäftsführer von Maritzburg United. Wenige Monate vor der
Weltmeisterschaft 2010 hatte sich einige Euphorie in Südafrika entwickelt. So
trugen viele Vereine nun ihre Heimspiele in den neuen WM Stadien aus. Auch
Maritzburg zog beispielsweise für das Topspiel gegen die Kaizer Chiefs in das
nahe gelegene Durban um, spielte nun vor 50.000 Zuschauern, wo auch die
deutsche Nationalmannschaft später kicken durfte.
In den 15 Partien der Rückrunde holte Middendorp beachtliche 19 Punkte, führte
das "Team of Choice" zum ungefährdeten Klassenerhalt auf Platz 11. Im
Zuge der WM war Ernst Middendorp nun ein gefragter Mensch. Sei es als TV Experte
im südafrikanischen Fernsehen, oder für Interviews in der alten
Heimat. Auch privates Glück konnte der Coach geniessen. Er heiratete im November
2010 seine langjährige südafrikanische Lebensgefährtin.
Power-Ernst sah nicht zuletzt wegen der Heirat seinen Lebensmittelpunkt nun
langfristig auf der Südhalbkugel der Erde. "Ich bin dabei, mich in Südafrika
niederzulassen".
Die Saison 2010/11 verlief zwar relativ durchwachsen, man hatte aber
stets vier bis fünf Punkte Abstand zu den Abstiegsrängen. Mehr wie der
Klassenerhalt gab das Umfeld nicht her. Im Ligapokal sah es überraschend gut
aus, hier erreichte Maritzburg United das Halbfinale, unterlag aber dem
späteren Meister Orlando Pirates. Eine dubiose Spielverlegung wegen angeblicher
Sicherheitsgründe nach Durban zog den Zorn des Trainers auf sich. Anfang 2011
verpflichtete Ernst Middendorp Christian Alder, um der Abwehr mehr
Stabilität zu geben. Inzwischen war auch Rowen Fernandez von Bielefeld nach
Südafrika gewechselt. Er spielte fortan beim amtierenden Titelträger
SuperSport United. In den nächsten Wochen trieb die Mannschaft den Trainer ein
ums andere Mal in den Wahnsinn, setzte sie doch nicht immer seine Vorgaben um
und gingen oft nur eine Halbzeit lang an Ihre Grenzen. Zu wenig für den
ambitionierten Coach! Emotional wie Ernst Middendorp nunmal ist, dachte
er vor laufenden TV Kameras laut darüber nach, seinen Posten zur Verfügung zu
stellen, wollte so das Team of Choice wachrütteln, war die Abstiegsgefahr doch
noch nicht gebannt. Obwohl die Spieler sich öffentlich für einen Verbleib
Middendorps aussprachen, zogen die brüskierten Verantwortlichen die Reißleine
und stellten den Trainer nach dem 24. Spieltag frei, eine Niederlage im Nedbank
Pokal tat ihr übriges. Middendorp hinterließ die Mannschaft auf Platz 14 bei
22 Punkten. Doch es sollte ein schnelles Wiedersehen geben....
Denn schon zur Rückrunde der Saison 2011/12 saß er wieder bei Maritzburg
United auf der Trainerbank! Der Verein trennte sich nach Differenzen von seinem
direkten Nachfolger und gab Ernst Middendorp wieder einen Vertrag über
1,5 Jahre. Fortsetzung folgt :)
Lamontville Golden Arrows (Südafrika 03/2011-9/2011)
Nach seiner Beurlaubung bei Maritzburg United, dauerte es nur sechs Tage bis Ernst Middendorp wieder in Lohn und Brot stand. Und er musste dafür nichtmals groß Kisten packen. Es verschlug den Trainer ins nur 80 Kilometer
von Pietermaritzburg entfernte Durban, zu den Lamontville Golden Arrows, wo er auf einen alten Weggefährten traf. Siyabonga Nkosi, den er einst auf die Alm lotste, der sich dort aber nicht durchsetzen konnte.
Der Verein stand ebenfalls im Abstiegssog der Liga, hier allerdings unerwartet,
da die Ansprüche andere waren als beim Team of Choice. In den ausstehenden
fünf Spielen der Meisterschaft holte Middendorp zwei Siege bei drei
Niederlagen, sicherte so den Klassenerhalt für den Klub.
Den zum Saisonende auslaufenden Vertrag verlängerte Ernst Middendorp in der Sommerpause um ein Jahr bis 2012. Der Start in die neue Meisterschaftsrunde verlief allerdings recht holprig. Middendorp hatte den Auftrag die goldenen Pfeile in die Top Acht der Liga zu führen, hierfür baute er die Mannschaft etwas um. Nach drei Spieltagen fand man sich auf den letzten Platz wieder. Danach fing sich das Team, holte aus vier Spielen zwei Siege. Die viele Arbeit schien Früchte zu tragen, so gewann man u. a. bei den ambitionierten Kaizer Chiefs aus Johannesburg sensationell mit 1:2, stellte den Anschluß an das Mittelfeld wieder her. Doch nur zwei Tage später verkündete der Verein die Trennung auf einer Pressekonferenz.
"Ich habe meine Zeit bei den Arrows genossen und ich wünschte, dort weitermachen zu können, wo ich aufgehört habe, als wir die Chiefs geschlagen haben in unserem letzten
Spiel." Middendorp hegte keinen Groll gegenüberden Golden Arrows, glaubt aber, dass es gerade anfing richtig gut zu laufen, vieles richtig gemacht wurde.
"Nein, es war sehr schön mit den Jungs zu arbeiten und ich habe jeden Moment genossen. Sie können die Spieler fragen, sie werden Ihnen sagen, dass wir es alle genossen haben so gut miteinander zu arbeiten. Ich wünsche ihnen alles Gute für diese
Saison!"
Wenige Tage zuvor setzte Arminia Bielefeld den glücklosen Markus von Ahlen vor die Tür. Es gab so einige Gerüchte über eine neue Rettungsmission von Ernst Middendorp auf der Alm... Doch die extrem klamme Arminia entschied sich für eine interne Lösung, um die schlimme Krise zu bewältigen. Der Trainer würde gerne in seiner Wahlheimat bleiben:
"Ich bin noch auf der Suche, aber ich werde das Land nicht verlassen. Ich bin zurzeit in Johannesburg, das ist meine Heimat wenn ich in Südafrika
bin."
Anorthosis Famagusta F. C. (Zypern 05/2009-7/2009)
Unerwartet früh endete die Tätigkeit von Ernst Middendorp auf Zypern. Doch der Reihe nach. Anorthosis sorgte als zyprischer Meister in der Saison 08/09 in der Gruppenphase der Champions-League für Furore,
für die man sich sensationallerweise qualifizieren konnte. Nur knapp scheiterte man an Inter Mailand, Werder Bremen und Panathinaikos Athen. Der erfolgreiche, langjährige Trainer Temuri Ketsbaia ging noch im Laufe der Saison. Die Wahl für das schwere Erbe fiel auf Ernst Middendorp. Das Team konnte als Meisterschaftsdritter an der Qualifikation zur neuen Europa-League teilnehmen, hier wurde die Gruppenphase als großes Ziel ausgerufen,
wo man vier Qualifikationrunden überstehen müsste.
Viele Spieler gingen nach den Erfolgen des Vorjahres. Der Coach musste als erstes ein neues, schlagkräftiges Team aufbauen. Neu verpflichtet
wurden u. a. die hier bekannten Victor Agali, Delron Buckley und Christian Alder. Als Co-Trainer wurde Peter Vollmann auf die Mittelmeerinsel gelotst. Anfang Juli bekam es Famagusta in der 1. EL Quali-Runde mit dem luxemburgischen
Vertreter UN Käerjéng 97 zu tun, den man klar mit 5:0 (heim) & 2:1
(auswärts) distanzieren konnte. Schwerer wurde es in der 2. Runde, wo der
montengrinische Pokalsieger OFC Petrovac auf Famagusta wartete. Schnell lag man
hier im Hinspiel in Larnaca mit 2:0 in Front, vergab aber leichtfertig eine
höhere Führung und musste kurz vor Schluß noch einen Gegentreffer kassieren -
2:1. Ein gefährliches Ergebnis, wie das Rückspiel dann auch zeigte. Mit 3:1 n.
V. zog Petrovac siegreich vom Platz und in die nächste Runde ein. Ein schwerer
Schock für Famagusta und den Trainer. Die Fans tobten. Der Verein zog die
Notbremse, das einfachste Opfer ist ja immer der Trainer, und beurlaubte Ernst
Middendorp einen Tag nach dem bitteren Ausscheiden am 24. Juli 2009.
Changchun Yatai F. C. (China 07/2008-11/2008)
Nachdem schon des Öfteren
um Ernst Middendorp spekuliert wurde, Nationaltrainer Ghanas oder Rapid
Bukarest, unterschrieb er urplötzlich einen Vertrag beim amtierenden
chinesischen Meister Changchun Yatai FC! "Ich fliege noch heute
Nachmittag nach China", liess er uns am 28. Juli 2008 erstaunen.
Changchun Yatai hatte das Kunststück vollbracht gleich im 2. Jahr nach dem
Aufstieg in der Chinese Super League den Titel zu erringen. In der asiatischen
Champions League unglücklich ausgeschieden, rangierte man in der Liga nur noch
auf Platz 12. Ziel war es, den Verein in den verbleibenden 18 Saisonspielen bis
Jahresende noch in die Top 4 zu führen, welche für die erneute Champions
League Teilnahme berechtigten. Ernst Middendorp nahm diese Herausforderung in der
7 Millionen Metropole im Norden Chinas euphorisch an! Viele ausländische
Trainer scheiterten bereits im fernen Osten, er wollte nun den Unterschied
machen.
Nach einigen Unentschieden stabilisierte er den Klub und führte ihn sukzessive
in der Tabelle nach oben. Doch einige Ereignisse ließen ihn ins Grübeln
kommen. Eine Schlägerei zwischen Spielern und der Rückzug eines ganzen Vereins
(Wuhan Guanggu) aus der Liga mitten in der Saison hatte das Fernsehen
veranlasst, zunächst keine Bilder mehr von der chinesischen Liga zu zeigen.
Dann machten den Trainer einige Ergebnisse seines eigenen Klubs stutzig. Da wurde
mal eben gegen ein Topteam 6:0 gewonnen (das die besten Spieler nicht aufbot mit
der Begründung, dass es im Norden Chinas zu kalt sei), "das wäre so,
wenn Jürgen Klinsmann mal eben Toni und Ribéry draußen lassen würde“,
um wenig später beim Tabellenletzten 0:3 zu verlieren, wo sich Changchuns Stammtorwart
und zwei Schlüsselspieler kurzfristig krank meldeten, die Ersatzleute bei drei
Eckstößen Hände und Köpfe wegzogen....
Ernst Middendorp äußerte einen leisen Manipulationsverdacht: "Ich will
mich nicht irgendwo ins Nest setzen", sagte er: "Aber wenn man
sich die Ergebnisse hier manchmal anschaut, fragt man sich schon, ob man allein
über Training und die Qualität der Spieler beeinflussen kann, wie es
ausgeht."
So feierte er noch seinen 50. Geburtstag am 28. Oktober in Changchun mit einer 31-Stunden-Fete:
"Wir sind sieben Stunden voraus", erzählte der Weltenbummler.
"Ich wusste nicht genau, ob ich nach deutscher oder nach chinesicher Zeit
ab Mitternacht feiern darf. Also habe ich mich einfach dafür entschieden, es
zweimal zu machen und durchzufeiern."
Wenige Tage später schmiss er in China hin, sechs Spieltage vor Saisonende, es wurde ihm zu unwohl, und kehrte
nach Deutschland zurück. Ernst Middendorp führte das Team auf einen guten 6. Platz in der
Tabelle, dort blieb es schliesslich auch.
Kaizer Chiefs F. C. (Südafrika 07/2005-03/2007)
Im Mai 2005 zum Jahrhunderttrainer beim Bundesligisten Arminia Bielefeld
gewählt, war Ernst Middendorp keine zwei Wochen darauf auch schwer beim DSC im
Gespräch, aber nicht als Trainer, sondern als Geschäftsführer Sport! Hier
sollte er Thomas von Heesen als Wunschkandidat beerben, der den nach Köln
abgewanderten Uwe Rapolder als Trainer ersetzte. Ernst Middendorp wieder bei der
Arminia? Ja gerne! Allerdings war der Gedanke an einen Schreibtisch-Job nicht
nur für uns, sondern auch für den gerade mal 46jährigen Ernst nur sehr
schwer vorstellbar. So entschied er sich gegen (!) die Arminia und unterschrieb
einen 2-Jahres Vertrag beim südafrikanischen Spitzenklub & Meister Kaizer
Chiefs Johannesburg, natürlich als Trainer. Obwohl verständlich, war es
dennoch ein schwerer Schock für viele Arminen, besonders wenn man bedenkt, wer
hier später letztendlich Sportdirektor wurde....
Mit dem Klub in Südafrika stand Ernst Middendorp schon seit Januar 2005 in
Kontakt. Er legte einen Katalog vor mit Vorstellungen, Bedingungen und Wünschen,
was finanzielle und strukturelle Dinge betraf. Man gab sich eine Frist bis
Ende Mai. Der Verein ging beinahe zu 100% auf seine Forderungen ein. "Es
ist momentan so, dass ich mich schwer tue, den Rasen komplett gegen die
Schreibtisch-Unterlage einzutauschen, wie es ja bei Arminia verlangt gewesen wäre",
begründete Ernst Middendorp seine Entscheidung. Ein tränendes Auge hatte er dennoch: "Offen
und ehrlich: Ja! Aber Arminia kannte meine Situation von Beginn an. Da gab es
keine Kasperei. Ich hätte es ja auch gerne gemacht. Erstens, weil es Arminia
ist, zweitens, weil es die 1. Liga ist, drittens, weil ich von meinem Profil
her gut aufgehoben gewesen wäre."
So machte er sich an die reizvolle Arbeit, doch der Anfang war schwer. "In
meinen ersten Monaten haben die Kaizer Chiefs geschwächelt. Wir haben kaum
etwas gewonnen." Aber auch kaum was verloren, in den ersten zehn
Spielen gab es drei Siege und sieben Unentschieden, davon sechs hintereinander.
Bis Maßnahmen fruchten braucht es etwas Zeit. International durfte der
Titelverteidiger nicht antreten, für die afrikanische Championsleague war der
Klub gesperrt worden. Am Ende holten die Kaizer Chiefs Platz 3 (12S/14U/4N) in der
Meisterschaft und gewannen 2006 nahezu alle nationalen Pokalwettbewerbe: Den
ABSA-Cup (vergleichbar mit DFB-Pokal), den SAA Supa 8 Cup (Ligapokal), die
Vodacom Challenge (Vorbereitungsturnier und Sieg über Manchester United nach
Elfmeterschießen) sowie die Limpopo Soccer Challenge.
Eine Sache trieb ihn aber fast in den Wahnsinn. Zicki-Zicki, wie Middendorp
ballverliebtes Geplänkel nennt. "Ambitionen, das Ding unbedingt in die
Kiste zu hauen, gibt es hier nicht", bedauerte er: "Hier steigen
sie lieber fünfmal über den Ball, das gibt Klapping", und
meinte den Applaus des Publikums. "Ich habe denen schon
hundert Mal gesagt, sie sollen das lassen. Aber die hören einfach nicht auf
mich. Sorry, die Zuschauer lieben es, aber unsere Punkte dürfen nicht gefährdet
werden. Es
sieht herrlich aus, wie die Spieler mit dem Ball umgehen, aber der Abschluss ist
eine Katastrophe. Die Jungs müssen verstehen, dass Tore zu schießen das
Entscheidende ist." Zauberei begeistert
Afrikaner, auch wenn der Ball am Ende in der Mitte liegen bleibt und fünf
Gegner drum herumstehen. "Die wichtigste Eigenschaft, die
man hier als Trainer haben muss, ist, nicht zwanghaft geliebt werden zu
wollen."
Auch in der 2. Saison war es sehr eng. Die Chiefs begannen mit vier
Unentschieden am Stück. So wurde Ernst alsbald "Middendraw" getauft.
Das Team startete eine beeindruckende Aufholjagd bis Jahresende, stand auf Platz
4 kurz vor Weihnachten mit Kontakt nach ganz oben. Aber: "Platz eins
ist ein Muss, Platz zwei wird gerade eben noch geduldet, Platz drei ist wie ein
Abstieg", erklärte der einzige ausländische Trainer der Castle Premier
League. "Platz vier ist eine Katastrophe, das
totale Desaster." Die Chiefs mussten ihr heimisches FNB Stadion
künftig verlassen, wichen nach Pretoria aus. Es wurde fortan für das Finale der
Fußball-WM 2010 umgebaut.
Leider gesellten sich zum Jahresanfang nun einige Niederlagen hinzu. Da half auch
nicht die außerordentliche Ehrung, die Ernst Middendorp im Januar 2007 erfuhr.
Die Tageszeitung Sunday Times kürte den Chefcoach des elfmaligen Meisters
Kaizer Chiefs aus Johannesburg zur "bestgekleideten Person 2006". Die
noch aus Bielefeld bekannten schrillen Trainingsanzüge hatte er längst gegen
feinsten Zwirn eingetauscht.
Zwei Tage nach dem 1:2 gegen Kellerkind AmaZulu wurde Ernst Middendorp am 5.
März 2007 beurlaubt, sieben Spieltage vor Saisonende. "Damit war die Meisterschaft außer Reichweite gerückt
und hier in Südafrika zählt nur die Meisterschaft. Hätten wir gewonnen, wären
wir Zweiter in der Liga, so sind wir Siebter", sagte Middendorp, der über
den Schritt des Vereins dennoch "überrascht" war. Und nun
sollte sein Weg wieder zur Arminia zurückführen, nur neun Tage später,
dorthin, wo er hingehört - auf die Trainerbank. Die Kaizer Chiefs verloren ohne
Ernst Middendorp den Faden und beendeten die Saison auf Platz 9.
Teraktor Sazi Tabriz F. C. (Iran 08/2004-06/2005)

Mit Beginn der Saison 2004/05 verschlug es Ernst Middendorp im August zum
traditionsreichen iranischen Verein Traktor Klub Täbris Sazi, der in der
Azadegan Liga kickte, was der deutschen 2.
Bundesliga entsprach, und dort zuletzt den achten Platz im Mittelfeld der
Tabelle belegte. 2002 war der Klub aus der 1. Liga abgestiegen, nun sollte er
sie wieder nach
oben in die Iranian Pro League führen. Natürlich waren
seine guten Kontakte in den Iran für Ernst Middendorp von Vorteil, holte er
doch einst mit Ali Daei und Karim Bagheri zwei persische Top-Stars in die
Bundesliga nach Bielefeld und bekleidete damit eine Vorreiterrolle für spätere
iranische Verpflichtungen im deutschen Fußball.
Tabriz liegt in der Region Ost-Aserbaidschan, zwischen der Türkei und dem
Kaspischen Meer. In die Hauptstadt Teheran sind es knapp 600 Kilometer, oder
umgerechnet 20 Stunden mit dem Auto. "Ein Abenteuer ist das hier
nicht", behauptete der Trainer bei Amtsantritt. Entwicklungsland?
Mitnichten. Hinter dem Klub in Tabris steht ein Unternehmen mit 11.000
Angestellten, Traktorsasi eben, welches Traktoren und Kleinlaster baut. Die
Stadt selbst ist nicht gerade ein Dorf: drei Millionen Einwohner, mit Vororten.
Geld schien keine Rolle zu spielen bei Traktorsasi. Der Klub, vor 38 Jahren gegründet,
landesweit beliebt, verfügt über ein luxuriöses und äußerst modernes
Trainingsgelände. Am Stadtrand wurde zudem eine neue Arena errichtet, für
70.000 Zuschauer.
Auf dem Firmengelände bewohnte Ernst Middendorp ein schickes Haus. In Schuss hielt
es ein Angestellter, mit dem sich der deutsche Trainer in der Landessprache
Farsi übte. Teammanager und der Co-Trainer sprachen beide Englisch, sie leisteten
stets gute Übersetzungshilfe. Autofahren musste Middendorp im Iran nicht,
er wurde chauffiert. "Aber das ist normal hier", sagte er,
"so werden Arbeitsplätze geschaffen."
"Auf Gedeih und Verderb muss Erfolg her", erklärte Ernst
anfangs. Von der Qualität seiner Mannschaft war er überzeugt, auch wenn er 18
neue Spieler zu integrieren hatte, darunter einige bisherige Erstligaspieler,
die auf deutschem Zweitliga-Niveau entlohnt wurden, "plus
Schmerzensgeld" - für den Umzug nach Tabriz.
Letztendlich wurde das Ziel Aufstieg aber verfehlt, das Team wurde Fünfter, und Ernst Middendorp brach seine
Zelte im Iran zum Saisonende 2005 wieder ab.
Accra Hearts of Oak Sporting Club (Ghana 02/2004-07/2004)
2004 zog es den Trainer nach seinem Engagement beim FC Augsburg wieder zurück
nach Ghana. Sein neuer Klub sollte sein einstiger Rivale von Kumasi sein - die
Hearts of Oak Accra aus der ghanaischen Hauptstadt, die nach sechs
Meisterschaften in Folge im Vorjahr Asante Kotoko überraschend den Vortritt lassen mussten.
Hier traf er wieder auf Herbert Mensah, ehemaliger Kotoko Chief, der mit seiner
Vermarktungsfirma SOS Networx eine Kooperation mit den Hearts Anfang 2004
einging und dadurch einigen Einfluß auf den Klub hatte.
Ernst Middendorps Tätigkeit war mit fünf Monaten nur von kurzer Dauer. In der
Ghana Premier League eilte er von Sieg zu Sieg, verpasste aber knapp die
Champions-League Gruppenspiele, spielte dann aber weiter im afrikanischen UEFA-Cup
mit und erreichte die dortige Gruppenphase (Top 8) des CAF Confederation Cup
am 25. Juli 2004. Danach trat der Trainer überraschend von seinem Amt zurück
und gab persönliche Gründe an. "Im Februar glaubte niemand, dass wir
die letzten Acht eines afrikanischen Cup Wettbewerbes erreichen würden, so ist
es ein großer Erfolg - auch mit all den Problemen bei den Hearts of Oak",
sagte er. "Als Trainer magst du Herausforderungen, aber du magst es
nicht Lösungen zu finden für ein Problem, nur damit es zu den nächsten
Schwierigkeiten kommt."
Die Hearts of Oak sollten später
sogar den CAF Confederation Cup gewinnen und auch ghanaischer Meister werden. Seine Vorarbeit stimmte
also erneut.
Ernst Middendorp wurde im Sommer 2004 wieder mit dem südafrikanischen Top-Klub
Orlando Pirates in Verbindung gebracht, es gab viele Spekulationen, schliesslich
landete er aber erstaunlicherweise im Iran!
Nsuhia Kumasi Asante Kotoko F. C. (Ghana 04/2000-05/2002)

Die erste Auslandsstation führte Ernst Middendorp am 11. April 2000 nach
Ghana. Kumasi, eine Stadt mit 385.000 Einwohnern in der Ashanti-Region. Er
wollte eigentlich nicht lange bleiben, vielleicht 2-3 Tage, sich einfach umsehen
und hatte daher auch nur eine kleine Reisetasche als Gepäck dabei. Auf
Vermittlung von HSV-Stürmer Tony Yeboah hatte er sich bereit erklärt, die Verhältnisse
beim Traditionsklub Kumasi Asante Kotoko einmal unter die Lupe zu nehmen. Als
der ehemalige Bundesliga-Trainer in seinem Hotel ankam, wartete da die ganze
Mannschaft und schaute ihn erwartungsvoll an. Middendorp wusste nicht, wie ihm
geschah, bis ihm mitgeteilt wurde, in 30 Minuten beginne das Training. "Ich
trainiere nicht, sorry", sagte er, aber dann standen da 8.000 Menschen
am Platz. "Denen war gesagt worden, es kommt ein weißer Mann, der den
Klub rettet." Der Klub war Vorletzter und mit ihm drohte eine Anhängerschaft
von sieben bis acht Millionen Menschen, die dem Stamm der Ashanti angehören,
abzusteigen. "Das haben die schon geschickt angestellt", sagt
er heute mit einem Schmunzeln. Middendorp nahm die Rolle des Messias an und
blieb!
Als Ernst Middendorp dann zum ersten Mal auf dem Trainingsplatz stand,
fragte er: "Wo sind denn hier die Tore?" Es gab sie nicht! Hier
wurden einfach zwei Steine in einer Distanz von ungefähr sieben Metern
aufgestellt. "Als Spieler habe ich keinen Bock, den Ball ins Tor zu
schießen, wenn ich erst mal zehn Minuten laufen muss, um ihn wieder zu holen.
Deswegen habe ich als erste Maßnahme vier Tore bauen lassen. Erst dann haben
die Spieler Freude daran entwickelt, die Kugel ins Netz zu hauen."
Middendorp sorgte auch für einen gut ausgestatteten Kraftraum, bewegliche
Tore, Hürden etc. "Alles das gab es vorher in diesem Verein nicht."
Und an diverse Rituale musste er sich gewöhnen: "In Ghana durfte
ich bei Auswärtsspielen den Platz vorher nicht betreten. Tausende von Menschen
haben versucht, mich daran zu hindern. Dann gab es noch einen Topf, mit dessen
Inhalt sich jeder die Füße waschen musste..." Andere Länder, andere
Sitten!
Ernst Middendorp führte den Verein ab dem 7. Spieltag aus der Krise und belegte am Ende Rang 5,
punkt- und torgleich mit dem Vierten. Er
wurde nach der spektakulären Rettung des populären Klubs beinahe wie ein Gott
verehrt. Einmal im Monat empfing ihn der König der Ashanti, "da rauchen
wir dann in seinem Palast eine Pfeife und sprechen über Fußball. Ein lockerer
Typ", sagte Middendorp. Er hatte sich im ganzen Land Respekt erworben.
Jüngst wurde er zum "Trainer des Jahres" gewählt. Leider hatte der Fußball
in Ghana auch etwas Korruptes: "Ich habe in acht
Monaten nur fünf Spiele verloren. Bei drei davon war nichts zu holen, da stand
das Ergebnis fest. Da spielst du mit elf Mann gegen 15." Ein Mal schlug
ein gegnerischer Trainer einen seiner Spieler beim Einwurf nieder. Middendorp
eilte zum Tatort, und der Kollege verpasste auch ihm eine Gerade. Middendorp
schlug "zu meiner eigenen Überraschung" nicht zurück, brach
aber das Spiel ab. Und dafür wurde dann sein Klub bestraft. Der Punktabzug
kostete den dritten Platz, "aber auch weil ich nicht zurückgeschlagen
habe, wurde ich wohl Trainer des Jahres."
Im Januar 2001 gewann der Bielefelder Erfolgscoach seinen ersten Titel. Er holte
mit Asante Kotoko den Gala-Cup, ein Vorbereitungsturnier, an dem alle 16
Erstliga-Teams teilnehmen und innerhalb von drei Tagen im K.o-System den Sieger
ermitteln. In Ghana entspricht das Kalenderjahr der Saison. Für Kumasi war dies
der Grundstein für eine erfolgreiche Spielzeit. Hinter Hearts of Oak Accra
holte die Middendorp-Truppe die Vize-Meisterschaft. Doch das Bonbon folgte am 9.
Dezember 2001. Durch einen 1:0 Erfolg errang Kumasi den Pokalsieg. Er glaubt,
dass Meister Hearts of Oaks Accra auch deshalb oben stand, weil der Staatspräsident
"das Trikot von Accra trägt. Ich behaupte, dass wir zwei Mal
Meister geworden wären, wenn der Einfluss der Regierung in Ghana nicht so groß
wäre. Die sorgten dafür, dass wir völlig zu Unrecht Punkte abgezogen bekamen
und somit keine Chance auf den Titel hatten. Die Haupstadt soll immer vorne
sein", moniert Middendorp. "2001 haben wir in vier Spielen drei
Mal gegen Hearts Of Oak gewonnen, wir waren zumindest in der letzten Saison die
bessere Mannschaft", versicherte der deutsche Trainer.
Der große Erfolg machte europäische Klubs wieder auf ihn aufmerksam. Im Juni
2001 hatte er ein lukratives Angebot von ZSKA Sofia vorliegen. Die Ghanaer waren
aber nicht bereit, Middendorp ziehen zu lassen. "Die Bulgaren boten
sogar eine Ablösesumme", erklärte Ernst Middendorp. Auch der
südafrikanische Spitzenklub Orlando Pirates zeigte Interesse, nachdem
Middendorps Asante Kotoko eine beeindruckende Vorstellung zeigte bei der Vodacom
Challange 2001, sogar das Finale bei dem Turnier in Durban erreichte, und den
Kaizer Chiefs Johannesburg erst im Elfmeterschiessen unterlag.
Aber es gab leider dunkle Schattenseiten seines Engagements bei Asante Kotoko.
Am 9. Mai 2001 kamen bei einer Massenpanik im Stadion von Accra, beim Spiel
Hearts of Oak - Asante Kotoko Kumasi, 126 Menschen ums Leben, weil Polizisten
mit Tränengas in die Menge schossen und Panik ausbrach. Eine der
schlimmsten Stadionkatastrophen in der Geschichte des Fußballs. Ernst
Middendorp musste tatenlos das Sterben auf den Rängen mit ansehen.
Nach dem 4. Spieltag seiner dritten Saison, einem 2:0 Sieg über Prestea
Mine Stars am 1. Mai 2002, und nachdem er den Klub ins Viertelfinale des CAF Cup
Winners Cup führte, trat Ernst Middendorp zurück. Im Stadion wurde er
mit stehenden Ovationen gefeiert. Sein Vertrag war ohnehin schon im vorherigen
März ausgelaufen. Als Begründung für die Nicht-Verlängerung stand seine
offene Kritik an der neuen Vereinsführung, er sah seine Zukunftsvorstellungen
gefährdet, aber auch ein neues Engagement in
Deutschland im Raum. Jedenfalls konnte er die Ernte seiner zweijährigen,
mühevollen Aufbauarbeit nicht selber einfahren. Im Pokalsiegerwettbewerb
erreichte Kotoko das Finale, in der Liga wurde man wieder Vize, 2003 schliesslich Meister.
Ernst Middendorp erreichte mit Kumasi einige bemerkenswerte Erfolge und geniesst
seit dieser Zeit in Ghana, ähnlich wie in Bielefeld, einen ausgezeichneten Ruf.
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