JahrhundertTrainer
Oberliga Westfalen 1988 - 1990
Rückblicke auf historische Spiele der 1. Amtszeit von Ernst Middendorp
beim DSC Arminia
12.11.1989: Im Spitzenspiel Paderborn mit 6:1 geschlagen

"Eines der besten Spiele, die ich je auf der Alm gesehen habe!" Das war
damals die Aussage von vielen Zeitzeugen, und viele haben ihre Meinung bis heute
nicht geändert. Trotz Drittklassigkeit zelebrierte Spitzenreiter Arminia
Offensivfußball feinster Middendorpscher Prägung und Paderborn-Neuhaus, als
Tabellen-Zweiter angereist, war wie wenige Wochen zuvor schon der FC Gütersloh mit dem Ergebnis
noch bestens bedient.
Nur drei Tage nach dem Fall der Mauer in Berlin genossen über 18.000 Fußballfreunde bei bestem Fußballwetter ihr historisches Spiel auf der altehrwürdigen "Bretter-Alm".
Arminias Serie von acht Siegen in Folge war in der Woche zuvor beim 1:1 im Heimspiel gegen Erkenschwick gerissen. Und so hatte man als ungeschlagener Tabellenführer mit 23:3
Punkten nur noch einen Zähler Vorsprung auf den direkten Verfolger aus
Paderborn (22:4). Ging ein halbes Jahr zuvor ein ähnliches Duell gegen Preußen
Münster kräftig in die Hose, so ließ Bielefeld dieses Mal nichts anbrennen.
Die Trainer pokerten bis kurz vor dem Anpfiff um ihre Aufstellungen, wollten
sich nicht in die Karten schauen lassen. "Ich habe gerade das Gerücht
verbreiten lassen, dass Peter Tonn von Anfang an spielt", freute sich Ernst
Middendorp diebisch. Aufgrund des hohen Andrangs, viele Zuschauer steckten
lange im Stau, begann die Partie mit 20 Minuten Verspätung. Auf der Höhe der
Zeit befanden sich auch die damals schon gewohnt kreativen Fans des DSC. Jeder
Freistoß wurde mit "die Mauer muss weg!" skandiert. Ansonsten
.... was soll man zu diesem Spiel noch groß sagen? Man muss es einfach gesehen
haben! Dank moderner Technik ist das auch heute noch für jedermann möglich.
Spielbericht + Middendorp-Interview. Viel Spaß :)
Arminia Bielefeld - TuS Paderborn-Neuhaus 6:1
Kneib, Eigenrauch, Simac, Konerding, Meier, Stratos, Knehans, Kopp (73. Tonn),
Meinke (57. Geideck),
Golombeck, Lonnemann
1:0 Lonnemann (23.), 2:0 Golombeck (37.), 2:1 Grahl (40.), 3:1 Knehans
(52.), 4:1 Lonnemann (74.), 5:1 Knehans (85.), 6:1 Tonn (86.)
30.09.1989: Arminia zerlegt den FC Gütersloh mit 7:0

Heute spielt der FC Gütersloh in der 6. Liga, ihn trennen Welten vom DSC. Vor
20 Jahren traf man sich in der Oberliga Westfalen, und auch hier lagen Welten
zwischen den Klubs. Zum einen die Arminia, unangefochtener Tabellenführer unter
Trainer Ernst Middendorp, zum anderen die Gütersloher, die auf der Alm
mit 0:7 untergingen und damit noch sehr gut bedient waren.
10.000 Zuschauer waren Augenzeuge bei diesem denkwürdigen OWL-Derby. Gütersloh
hatte einige namhafte Ex-Arminen in seinen Reihen, die aber wie ihre Kollegen
einen rabenschwarzen Tag erwischten: Norbert Pohl und Helmut Schröder.
Ironische Helmut! Helmut! Sprechchöre begleiteten letzteren, einstigen
Publikumsliebling über die Partie hinweg, er nahm es mit Fassung hin. Eine
Woche zuvor zwang der FCG Bundesligist VfB Stuttgart im Pokal noch in die
Verlängerung, doch heute war der Gegner mehr als eine Nummer zu groß. Ernst
Middendorp setzte wie gewohnt auf totale Offensive, brachte mit Meinke,
Knehans und Lonnemann drei echte Stürmer auf den Platz, diese dankten es ihm
mit vielen Toren, wirbelten mit dem überragenden Mittelfeld Golombek und Kopp
den verzweifelten Nachbarn gehörig durcheinander. Schon zur Pause führte
Bielefeld mit 5:0. In der zweiten Halbzeit ließen es die Arminen einen Tacken
lockerer angehen, Middendorp nahm seine Doppel-Torschützen Meinke & Knehans
nach 73 Minuten vom Platz, gönnte ihnen die stehenden Ovationen des Publikums.
Es hätte locker zweistellig ausgehen können, vielleicht auch ausgehen müssen,
aber ein 7:0 ist ja auch nicht so verkehrt. Es sollte die höchste Niederlage
der noch jungen Vereinsgeschichte des FC Gütersloh sein. Trainer
Middendorp meinte hinterher: "Man muss den FC Gütersloh bedauern.
Eigentlich habe ich kein Mitleid mit unseren Gegnern, doch heute ist der Gast
untergegangen, da er den Schwanz eingezogen hat."
Arminia war jedenfalls gut gerüstet für das nächste Derby. Der TuS
Paderborn-Neuhaus, direkter Verfolger in der Tabelle, sollte noch vorstellig
werden in den nächsten Wochen, es sollte ein ähnliches Fußballfest werden ...
Arminia Bielefeld - FC Gütersloh 7:0
Kneib, Meier, Eigenrauch, Simac, Geideck, Kopp, Stratos, Golombek, Lonnemann,
Knehans (73. de Jong), Meinke (73. Tonn)
1:0, 3:0 Meinke (18., 24.), 2:0, 5:0 Knehans (21., 40.), 4:0, 6:0
Golombek (38., 63.), 7:0 Lonnemann (84.)
13.05.1989: Die Mutter aller Niederlagen beim VfB Rheine
Arminia hat in ihrer wechselhaften Historie schon viele furchtbare Pleiten hinnehmen müssen.
Etliche Zeitgenossen, die jenen Samstagnachmittag im Rheiner Jahnstadion miterlebt haben meinen jedoch, dass dieser Tag am schlimmsten war.
Die Ausgangsposition: Seit Wochen kämpfen Preußen Münster und Arminia
verbissen um die Spitze der Oberliga Westfalen. Nur der Meister darf an der
lukrativen Aufstiegsrunde zur 2. Bundesliga teilnehmen. Am letzten Spieltag
liegt der DSC mit 46:12 Punkten einen Zähler vor den Preußen (45:13). Das
Torverhältnis spricht aber für Münster (68:27), Bielefeld (57:19). Beide
Teams spielen auswärts bei Mannschaften, für die es vermeintlich um nichts
mehr geht. Münster gastiert beim SC Verl (7.), Arminia muss zum VfB Rheine
(10.) reisen. Bielefeld hat es in der eigenen Hand, Münster muss auf einen
Ausrutscher der Arminen hoffen!
Verloren sich ein Jahr zuvor nur noch 450 Zuschauer auf die Alm, folgten den
Blauen nunmehr sagenhafte ca. 10.000 Fans unterstützend nach Rheine. Unzählige
Busse wurden eingesetzt. Fahrpreis 10 DM. Für eine etwaige Meisterschaftsfeier
war alles vorbereitet, die Euphorie im Vorfeld nahezu grenzenlos. Obwohl Ernst
Middendorp in Rheine sich häuslich niedergelassen hatte, durfte nicht damit
gerechnet werden, dass der VfB Nachbarschaftshilfe leistet. Da waren zum einen die
Vorkommnisse im Hinspiel (die Bierdeckelattacke auf den Rheiner Torwart Heger),
zum anderen die fünfstellige Kulisse, die es in Rheine seit den 70er Jahren
nicht mehr gegeben hatte. Außerdem wurde überregional über das
Kopf-An-Kopf-Rennen in allen relevanten Medien berichtet. Und dann geisterten
noch ominöse "Sieg-Prämien" aus Münster durch die Gazetten.
Arminia legte vor ca. 11.500 Zuschauern vom Anpfiff an um 15 Uhr los wie die Feuerwehr,
bot eine stürmische Anfangsphase vor prächtiger, stimmungsvoller
schwarz-weiss-blauer Kulisse. Doch sie währte nur kurz. In der 9. Minute netzte
Rheine nach einem Freistoß per Kopfball ein zum 1:0. Fortan war alles anders.
Die jungen Arminen wirkten wie gelähmt, auf den Rängen verbreitete sich
blankes Entsetzen. Die Nerven lagen blank! Rheine spielte rustikal, engagiert
und unbeschwert. Der DSC fand dagegen kein adäquates Mittel, agierte relativ
planlos mit hohen Bällen nach vorne. Nichts von dem, was die Mannschaft über
weite Strecken der Saison so auszeichnete, Kombinationsspiel, Pressing, konnte
sie jetzt abrufen. Die Halbzeit brachte keine Besserung. Bleiche, von Anspannung
gezeichnete Spielergesichter waren zu sehen. In der 63. Minute kam es noch viel
schlimmer. Wieder Freistoß, wieder Kopfball, wieder Tor. 2:0 für Rheine. Was
machten die Preußen? Zeitglich stand es in Verl immer noch 0:0. Ein
Unentschieden würde den Bielefeldern doch reichen! Hoffnung keimte in der 76.
Minute auf. Thomas Ostermann wurde im Rheiner Strafraum gefoult. Elfmeter! Meric
Yavuz verwandelte sicher zum 1:2 aus Bielefelder Sicht. Nun war der Anhang
wieder da, das Ergebnis aus Verl sprach sich rum und Arminia warf die letzte
Viertelstunde nochmals alles nach vorne! In der letzten Minute bot sich dann die
große Chance zum Ausgleich. Ein von Yavuz getretener Freistoß wurde abgefälscht
und der Ball bewegte sich Richtung Tor zu... ein Raunen ging durchs Publikum,
die Kugel verfehlte das Ziel um ca. 25 Zentimeter. Aus. Vorbei. In Verl blieb es
0:0 und Arminia rutschte nach 27maliger Tabellenführung in dieser Saison am 30.
und letzten Spieltag auf den zweiten Platz ab, dank einer um 5 Treffer
schlechteren Tordifferenz. Die Karawane fuhr traumatisiert nach Bielefeld zurück.

Die Parallelen waren unverkennbar. Ein ähnlichen Spielverlauf hatte es diese
Saison schon einmal gegeben. Beim bitteren 1:3 zwei Monate zuvor gegen Münster.
Dies erkannte auch Ernst Middendorp: "Das ist eine Riesenenttäuschung,
das hat die Mannschaft nach dieser Saison nicht verdient. Das erinnerte an das
Spiel gegen Preußen Münster. In solchen Spielen muß man Mumm zeigen und nicht
so viel Bammel. Da war wieder die Schranke vom 3. März im Kopf." Unter
Schock standen auch die Spieler, viele sackten nach Spielschluß in sich
zusammen, viele Tränen wurden vergossen. Roland Kopp erinnerte sich an die
Nacht vor dem Spiel: "Da habe ich geträumt, dass wie hier
verlieren." Eine große Unbekümmertheit trug diese junge
Arminenmannschaft (Durchschnittsalter 21 Jahre inkl. Kneib) durch viele Spiele
der Saison. Nun wurde dem DSC seine Unerfahrenheit zum Verhängnis.
Arminias jüngster Trainer (30) der Vereinsgeschichte suchte zum Abschluß aber
das Positive und bilanzierte die Saison richtig: "Wir sind sehr viel
weitergekommen, als man es von uns erwartet hat." Allerdings, wer
vor der Saison einen möglichen zweiten Platz für dieses aus dem Boden
gestampfte Team prognostiziert hätte, dem wäre sein Fußballverstand in Frage
gestellt worden. "Für mich hat heute um 17:30 Uhr schon die neue Saison
begonnen", meinte der Trainer vorausschauend. Arminia musste nun noch
an der ungeliebten deutschen Amateurmeisterschaft teilnehmen, Gegner FC
Remscheid. Ernst Middendorp ließ keine Zweifel daran, dass er seine
Spieler lieber im Erholungsurlaub sähe: "Wir werden im ersten Spiel auf
der Alm eine Fußball-Show besonderer Art abziehen und mit einem Abwehr- und
neun offensiven Spielern antreten." Zudem forderte er freien Eintritt,
damit die Besucher "sich nicht verarscht fühlen." Dieses Spiel
ging 2:2 aus, bei verbilligten Preisen. Nach einem 1:4 in Remschied schied man
aus und konnte nun Kraft für eine ähnlich furiose Saison sammeln.....
An dieser Stelle möchten wir nochmals auf unser großes Interview mit Manfred
Lonnemann verweisen, wo auch das Spiel in Rheine thematisiert wird: Manfred
Lonnemann erinnert sich.
VfB Rheine - Arminia Bielefeld 2:1
Kneib, Simac, Eigenrauch (60. Yavuz), Ridder, Ostermann, Stratos, Kopp (46.
Knehans), Geideck, Golombeck, Lonnemann, Tonn
1:0 Greve (9.), 2:0 Lübke (63.), 2:1 Yavuz (76. FE)
03.03.1989: Bittere 1:3 Heimniederlage gegen die Preußen
Freitag Abend. Oberliga Westfalen 1988/89, 20. Spieltag. Die Alm ist zum ersten
Male seit dem Bundesligaabstieg 1985 restlos ausverkauft. 18.500 Menschen drängelten
sich in dem maroden Stadion. Arminia Bielefeld grüßte seit Monaten von der
Tabellenspitze und empfing an jenem denkwürdigen 3. März 1989 den
zweitplatzierten Klub aus dem Münsterland, der den Bielefeldern in den letzten
Wochen näher kam und vor dem Spiel nur noch drei Punkte Rückstand
aufweisen konnte....
Beide Trainer waren sich der Bedeutung um dieses Spiel sehr bewusst. "Wenn
wir gewinnen, werden wir Meister", orakelte Helmut Horsch. Die Preußen
waren quasi zum Siegen verdammt, wollten sie Bielefeld noch ernsthaft gefährden.
Auch Ernst Middendorp wollte unbedingt gewinnen, um so eine
Vorentscheidung im Kampf um die Westfalenmeisterschaft herbeizuführen: "Wir
werden noch bissiger sein als sonst und das Spiel mit Sicherheit gewinnen",
versprach er. "Wenn Peter Tonn und Matthias Westerwinter einsatzfähig
sind, werden wir mit drei echten Spitzen beginnen, auch auf die Gefahr hin, dass
wir ins offene Messer laufen! Doch ich vertraue auf meine starke Abwehr." Auch
der Schiedsrichter Bottermann (Gelsenkirchen) bereitete sich seelisch vor: "Und
wenn Arminias Trainer Ernst Middendorp wieder ständig an der Seitenlinie
rumhüpft und Einfluß nehmen will, dann schicke ich ihn auf die Tribüne!"
Das dieser kühle Märzabend die Geburtsstunde einer neuen Rivalität
zwischen beiden Vereinen werden würde, die bis heute im Fanlager anhält,
konnte niemand vorher ahnen. Wir mögen gar nicht so sehr auf das Spiel
eingehen. Arminia hatte sich verzockt, agierte zu offensiv. Die Preußen
konterten geschickt, waren routinierter und taktisch besser eingestellt. Ernst
Middendorps junge Mannschaft stand wie das Kaninchen vor der Schlange und
tappte in die Falle. Unglücklicherweise wurde beim Stand von 0:1 auch noch ein
Elfmeter verschossen (Ridder 29.). Hartgesottene Zeitgenossen schauen sich zur
Veranschaulichung der Partie dieses Video
an.
An der verdienten Niederlage gab es keinen Zweifel. Auch der Trainer kannte die
Leistung des Gegners an. "Das Ergebnis geht über 90 Minuten in
Ordnung", befand er und bemängelte individuelle Fehler beim 0:1 oder
den verschossenen Strafstoß. "Offenbar hat die große Kulisse bei
jungen Spielern wie Jörg Bode oder Frank Geideck doch Wirkung gezeigt",
so Ernst Middendorp, der alle Schuld bei der anschließenden
Pressekonferenz auf sich nahm in seiner ureigenen Art: "Ja, ich denke
mal, wenn Sie jetzt auf die Qualität eines Trainers ausgehen wollen, und wollen
halt eben jetzt hier sagen, das Spiel, dass ich das verloren habe, dann nehme
ich das gerne auf meine Kappe, wir können uns darauf einigen, wir können das
so hinnehmen, ok."
Die Meisterschaft war wieder völlig offen. Beide Mannschaften lieferten
sich fortan ein irres Kopf-an-Kopf-Rennen bis zum letzten Spieltag ....
In den kommenden Oberliga-Jahren gerieten beide Teams noch des Öfteren
aneinander. Für gewöhnlich gewannen die Preußen mit 3:0. Waren sie gnädig,
ging es auch schon mal Unentschieden aus. Es sollte bis zur zweiten Amtszeit von
Ernst Middendorp im Jahre 1995 dauern, dass Arminia wieder ein Spiel
gegen den ungeliebten Nachbarn für sich entscheiden konnte. Einen Heimsieg hat
es allerdings schon seit 1979 nicht mehr gegeben, was auch daran liegen mag,
dass die Stadt hinter Telgte unserer ersten Mannschaft seit 1995 konsequent aus
dem Weg geht und mit der 3. oder 4. Liga vorlieb nimmt.
Arminia Bielefeld - Preußen Münster 1:3
Kneib, Ridder, Simac, Konerding, Bode, Stratos, Kopp, Lonnemann, Yavuz (61.
Golombeck), Westerwinter (46. Tonn), Geideck
0:1 Koop (9.), 0:2 Gäher (50.), 0:3 Fleige (57.), 1:3 Tonn (86.)
19.11.1988: Skandalspiel auf der Alm gegen Rheine
Wie alle geschichtskundigen Arminen wissen, war das Spiel beim VfB Rheine im Mai
1989 von historischen Ausmaß. Das Hinspiel am 19. November 1988 geriet in
Vergessenheit, zu Unrecht, hatte es doch für reichlich Brisanz und einen
handfesten Skandal gesorgt! Beide Begegnungen mit dem Wohnort von Trainer Ernst
Middendorp hatten es also in sich. Was war passiert?
Oberliga Spitzenreiter Arminia ging schon früh in Führung durch Westerwinter
(6.), hatte dabei sicher nicht mehr den Elan aus den vorherigen Spielen,
beherrschte dennoch den Gegner aus dem unteren Tabellenmittelfeld. In der 2.
Halbzeit spielte die Arminia auf ihr Tor, also auf Block 3/4. Der Fanblock
weilte damals zwar auf Block 5, dennoch standen viele heißblütige Anhänger
hinter dem Kasten. Rheine kam für einen Treffer nicht mehr in Frage und die
Arminen vergaben einige gute Chancen. Jedenfalls war im Rheiner Strafraum
einiges los. Irgendwann gegen Spielende flog ein Bierdeckel (!) aus dem Block
über das Tor hinaus und traf Rheines Torhüter Heeger kurz vor einem Abschlag
am Kopf. Dieser brach mit einer leichten Zeitverzögerung in sich zusammen und
blieb unter "Schmerzen" auf dem Platz liegen!! Der Schreiber dieser
Zeilen konnte den Szene gut beobachten und stand auch hinter dem Tor.
Weitere 4.700 Zuschauer staunten ebenfalls nicht schlecht. Es war zu 100% ein
Bierdeckel und kein Stein oder sonstiges, wie Herr Heeger später mehrfach
erklärte!
Umgehend im Bielefelder Franziskus-Hospital untersucht, konnten die dortigen
Ärzte keine Verletzung am Kopf von Heeger feststellen. Anders sah die
Untersuchung im Krankenhaus zu Rheine später am Abend aus. Dort wurde eine "schwere
Schädelprellung" diagnostiziert und Heger musste sogar stationär
behandelt werden! Rheine legte flugs Protest gegen die
Spielwertung ein. Und so musste Arminia einige Tage um die beiden Punkte bangen.
Doch die Spruchkammer des westfälischen Fußballverbandes sprach den DSC
schliesslich von allen Vorwürfen frei, so wie es alle in Bielefeld erwartet
hatten. Peinlich für den VfB: Der behandelnde Arzt im Rheiner Krankenhaus
entpuppte sich als ehemaliges Vorstandsmitglied...
Wir wissen nicht, ob diese Vorfälle das Rückspiel beeinflussten, wo die
Rheinenser um ihr Leben liefen. Dieses werden wir im kommenden Mai näher
beleuchten.
Arminia Bielefeld - VfB Rheine 1:0
Kneib, Ridder, Konerding (70. Simac), Bode, Stratos, Golombeck, Kopp, Yavuz,
Geideck, Lonnemann, Westerwinter
1:0 Westerwinter (6.)
15.10.1988: Arminia fegt Marl mit 8:0 von der Alm
Es ist an der Zeit, dem höchsten Sieg in
einem Meisterschaftsspiel unter Ernst Middendorp bei Arminia Bielefeld zu
gedenken. Am 15. Oktober 1988 sah die SpVgg Marl kein Land auf der Alm und wurde
mit 8:0 aus dem Stadion gespült. Es war der vorläufige Höhepunkt von vielen
tollen Spielen damals in der Oberliga Westfalen. Zuvor schon mussten sich die Spitzenteams aus
Herne (5:1) und Erkenschwick (4:2) in Bielefeld geschlagen geben.
Das 8:0 war der höchste Sieg in einem Meisterschaftsspiel der Bielefelder
Arminia seit dem 23. Mai 1980, wo man die Arminia aus Hannover mit gar 11:0
bezwang, und ist bis heute unerreicht. Und was meinte der Trainer nach dem
Spiel? Er war ob der vielen vergebenen Chancen nicht zufrieden und monierte,
dass ein Sieg im zweistelligen Bereich leichtfertig vergeben wurde!
Arminia Bielefeld - SpVgg Marl 8:0
Kneib, Ridder, Simac, Konerding, Stratos, Kopp, Yavuz (65. Westerwinter), Bode,
Lonnemann (76. Knehans), Geideck, Tonn
1:0 Geideck (14.), 2:0 & 3:0 Lonnemann (17., 43.), 4:0 Bode (49.), 5:0 Tonn
(59.), 6:0 & 8:0 Westerwinter (68., 87.), 7:0 Knehans (77.)
11.09.1988: Sieg im Preußenstadion!
Jaja, vor 20 Jahren tickten die Uhren noch etwas anders. Der 11. September war
ein ganz normales Datum und nach über acht Jahren traf man wieder auf einen
münsterländischen Fußballklub, der aufgrund der geographischen Lage &
Historie logischerweise als Rivale galt, natürlich ein Konkurrent in der Liga
war, aber vom Erzfeind Nr. 1 konnte damals keine Rede sein. Warum auch? Bei den
letzten Duellen in den 70er Jahren (2. Liga Nord) ging Arminia für gewöhnlich
als Sieger vom Platz, beherrschte den preußischen Adler beinahe nach Belieben.
Man durfte sogar noch den Namen des Gegners aussprechen, ohne auf dem Block
Kopfschütteln und ungläubige Blicke zu ernten. Wir machen eine Zeitreise und
probieren es einfach mal, die Rede ist vom SC Preußen Münster!
Der DSC Arminia kam zwar mit der schweren Pokalniederlage aus Bochum, aber auch
als souveräner und ungeschlagener Tabellenführer der Oberliga Westfalen
angereist. Dennoch, der SCP war als amtierender Westfalenmeister (sie
scheiterten 1988 in der Aufstiegsrunde an Braunschweig und Hertha BSC) und
Mitfavorit ein schwerer Brocken, den es zu distanzieren galt. 3000 Bielefelder
schlängelten sich durch die Dörfer am Rande der B64 und wollten Arminia siegen
sehen. Die Zahl 3000 klingt umso imposanter, wenn man bedenkt, dass Bielefeld in
der Vorsaison einen Heimschnitt von unter (!) 3000 Zuschauern hatte. Das
bisherige Auftreten der Mannschaft hatte das Interesse neu geweckt, das
Arminia-Fieber grassierte in der Leineweberstadt.
Das Spiel selber war eher mau, beide Mannschaften tasteten sich in den ersten 45
Minuten ab. In der 2. Halbzeit drehten die Schützlinge von Ernst Middendorp
auf, steigerten sich kämpferisch, spielerisch und waren deutlich überlegen.
Dirk Konerding war es schliesslich vergönnt, das Tor des Tages zu erzielen. Und
es reichte auch, die Abwehr stand, ließ auch im Schlußspurt des Kontrahenten nichts
mehr anbrennen. Video.
Verdient gewonnen beim Titelverteidiger! Was sollte nun denn noch passieren?
Arminias Anhang feierte den Sieg wie einen Aufstieg, viele Fans stürmten den
Platz, etliche eilten zum Block der Heimmannschaft, der sich daraufhin
erstaunlich schnell leerte ....
Und die Preußen? Sie schienen kein Gegner mehr zu sein auf dem unaufhaltsamen
Weg der Arminia zur Meisterschaft, dümpelten im Mittelfeld der Tabelle vor sich
hin. So orakelte die Almpost eine Woche später: 'Die schärfsten Konkurrenten
der Bielefelder heißen in dieser Saison wohl Herne, Schöppingen und
Erkenschwick.'
Die münsterländisch-ostwestfälische Geschichte sollte ab dem Rückspiel
völlig neu geschrieben werden.
Preußen Münster - Arminia Bielefeld 0:1
Kneib, Ridder, Bode, Simac, Konerding, Stratos, Yavuz, Geideck, Kopp,
Lonnemann (80. Ostermann), Westerwinter
0:1 Konerding (57.)
07.09.1988: Bitteres Aus im DFB-Pokal beim VfL Bochum
Nachdem man im Hinspiel dem VfL Bochum ein 0:0 auf der Alm nach Verlängerung abringen
konnte, musste Oberligist DSC Arminia nun im Wiederholungsspiel beim
Bundesligisten antreten. Nur 4000 Zuschauer verloren sich im Ruhrstadion,
darunter aber gut die Hälfte aus Bielefeld, die unter der Woche die Reise
machten, um ihr Team kräftig zu unterstützen. Das taten sie auch und
verbreiteten lautstark Heimspielatmosphäre. Ernst Middendorps Mannschaft
lies sich von all dem nicht beeindrucken und spielte befreit auf. Schon nach
sechs Minuten gingen die aufmüpfigen Jungarminen durch ein Eigentor von Walter
Oswald in Führung. Es sollte nicht unverdient sein, wie der weitere
Spielverlauf zeigte. Arminia hielt die optisch überlegenden Bochumer weitestgehend vom eigenen Strafraum weg und kam selber zu einigen guten
Möglichkeiten. So ging Arminia nicht nur mit 1:0 in die Pause, sondern konnte
die Führung bis in die Nachspielzeit halten ...
Ernst Middendorp hielt es schon lange nicht mehr auf seinem Sitz, er
erboste sich immer wieder über die kleinlichen Pfiffe von Schiedsrichter
Plettenberg (aus Essen !!!). Da die offensiven Spieler viel laufen mussten,
platt waren und um etwas Zeit zu schinden, brachte er kurz vor Schluss noch zwei
frische Einwechselspieler. Arminia war verdammt nah dran an einer riesigen
Sensation. Eigentlich gab es auch keine nennenswerte Gründe lange nachspielen
zu müssen. Und so kam es wie es kommen musste. Bochum brachte den Ball nochmals
in den Strafraum, Stürmer Uwe Leifeld lies es sich nicht nehmen, suchte den
Kontakt zu Jörg Bode (damals gerade 19 Jahre und zwei Wochen alt), fädelte
ein, und der Schiri aus der Nachbarstadt zeigte in der 92. Minute auf den Punkt!
Ein Elfmeter, der keiner war und ein Geschenk, welches sich Thorsten Legat nicht
nehmen lies. Er verwandelte sicher zum 1:1. Abpfiff. Verlängerung!
Von diesem Schock erholte sich Middendorps junge Truppe nicht mehr. Der
abgewichste VfL nutzte die Gunst der Stunde und erzielte schon eine Minute nach
Wiederanpfiff das 2:1, der Todesstoß für Arminia, der Widerstand der wackeren
Ostwestfalen war endgültig gebrochen. Der erst 29jährige Ernst Middendorp
war außer Rand & Band, protestierte, und wurde vom Essener Schiedsrichter in
der 95. Minute auf die Tribüne verwiesen FOTO,
von wo aus er tatenlos den Untergang seiner Mannschaft mit ansehen musste. Ein
3:1 und 4:1 folgten. Jene Tore waren letztendlich aber egal, denn dieser
Verlauf war einfach nur unfassbar bitter. Fassungslos und den Tränen nahe
sackten viele Spieler und Fans nach dem Schlußpfiff in sich zusammen.
Erstaunlicherweise erholte sich die Mannschaft & Trainer sehr schnell von
diesem Schlag, wie das kommende Meisterschaftsspiel bei einer Stadt hinter
Telgte wenige Tage später zeigen sollte....
Viele sagen heute, dass mit dieser Partie der Grundstein zur immer noch
ausgeprägten Rivalität mit dem Ruhrpottklub gelegt wurde. Sie liegen nicht
ganz falsch. Ein Dariusz Wosz hat es in den 90ern nur "verfeinert". Die Erkenntnis, damals verpfiffen worden zu sein, hält
sich auch 20 Jahre später in den Köpfen und treibt allen Beteiligten heute
noch die Zornesröte ins Gesicht!
Trotzdem, in dieser historischen Saison 88/89, die viele Höhen zu bieten hatte,
sollte Arminia gleich zweimal noch heftiger vom Schicksal getroffen werden, was
man zu diesem Zeitpunkt nicht zu glauben vermocht hätte, darunter die Mutter
aller Niederlagen .....
VfL Bochum - Arminia Bielefeld 4:1 n. V.
Kneib, Ridder, Bode, Simac, Konerding, Stratos, Kopp, Yavuz, Geideck,
Lonnemann (90. Ostermann), Westerwinter (88. Tonn)
0:1 Oswald (6. ET), 1:1 Legat (90.+2 FE), 2:1 Leifeld (91.), 3:1 Bozak (109.),
4:1 Heinemann (118.)
13.08.1988: 1. Spieltag in der Oberliga Westfalen - Auswärts in Paderborn
Dem Abstieg aus der 2. Bundesliga, wo beim letzten Heimspiel keine 500 Zuschauer
mehr die Arminia sehen wollten und der Author dieser Zeilen völlig entnervt zur
Pause nach Hause schlich, folgte der totale Neuanfang in der Oberliga Westfalen.
Drei Jahre nach dem bitteren Abgang aus der 1. Bundesliga, würden sich in
dieser Spielzeit Teams der Marke Marl, Buer-Hassel & Verl auf der Alm
vorstellen. Nebenbei musste Arminia als Amateurverein nun auch noch beim
Westfalen- & Kreispokal antreten! Doch schon der 2:1 Testspielsieg gegen
Zweitligist Schalke und das Unentschieden im DFB-Pokal gegen Bundesligist
Bochum, lies das Umfeld freudig aufhorchen.
Eine neue, begeisterungsfähige Arminia war geboren und das bekam am 1. Spieltag
gleich der ambitionierte Fusionsklub TuS Paderborn-Neuhaus im Ostwestfalenderby
zu spüren. 7.200 Zuschauer fanden den Weg ins Hermann-Löns-Stadion, um das
erste Pflichtspiel gegen den großen Nachbarn zu bestaunen. Der
Zweitligaabsteiger enttäuschte nicht und vergab einen höheren Sieg. Video.
Zufrieden, aufgrund der ausgelassen Torchancen, war nur Trainer Ernst
Middendorp nicht. Das sollte ihm noch des Öfteren passieren :-)
TuS Paderborn-Neuhaus - Arminia Bielefeld 1:2
Kneib, Ridder, Konerding (87. Kielmann), Simac, Bode, Zimmermann, Kopp, Geideck,
Tonn (77. Ostermann), Lonnemann, Westerwinter
0:1 Westerwinter (20.), 0:2 Westerwinter (34.), 1:2 Senk (81.)
06.08.1988: Saisonauftakt 1988/1989 - Bochum kommt im DFB-Pokal
Heute vor 20 Jahren startete die Arminia in die Saison 1988/89, ähnlich wie in
diesem Jahr mit einem Spiel im DFB-Pokal. Es sollte eine der denkwürdigsten
Spielzeiten in der Vereinsgeschichte werden. "Unsere Chancen gegen den
VfL Bochum stehen bei 10:90", stapelte Ernst Middendorp vor der
Partie tief. Oberligist Arminia rang dem haushohen Favoriten &
Pokalfinalisten aus Bochum ein 0:0 nach Verlängerung ab. 5.500 Zuschauer
feierten die neu formierten Bielefelder Jungspunde! Video.
Das es erst im Wiederholungsspiel so richtig dramatisch werden würde,
konnte zu diesen Zeitpunkt noch niemand ahnen.....
Arminia Bielefeld - VfL Bochum 0:0 n. V.
Kneib, Ridder, Konerding, Simac, Ostermann, Bode, Zimmermann, Kopp, Geideck,
Lonnemann (109. Sanke), Tonn (105. Knehans)
19.04.1988: Das erste Spiel unter Ernst Middendorp
Heute vor 20 Jahren saß Ernst Middendorp zum ersten Mal auf der
Trainerbank des DSC Arminia Bielefeld beim Auswärtsspiel in Wattenscheid. Und
das eigentlich nur für wenige Augenblicke. Schon damals war Ernst Middendorp
äußerst rastlos und es hielt ihn nicht lange sitzend auf der Bank. Er stand
lieber daneben, wie heute auch noch. Coach bei den Wattenscheidern war
seinerzeit übrigens Gerd Roggensack! Ernst Middendorp wurde vom
Verbandsligisten Eintracht Nordhorn losgeeist und war der sechste (!) Trainer
bei der Arminia in der Saison 1987/88. Der Coach verteilte bei der Pressekonferenz
gleich seinen ersten Rüffel: "Der Gerstner hat sich beim Elfmeter regelrecht
blind verhalten, so etwas hätte ich bei einem Profi nicht erwartet." Zu retten war Bielefeld freilich nicht
mehr und stieg wenige Wochen später in die Oberliga Westfalen ab, wo Ernst
Middendorp mit Arminia für Furore sorgte, aber das ist eine andere
Geschichte. Die Aufstellung vom 19. April 1988:

SG Wattenscheid 09 - Arminia Bielefeld 2:1
Kneib, Eilenfeldt, Ellguth, Gerstner (23. Golembeck), Majewski, Ridder, Schnier,
Schröder, Kollenberg, Lillig, Ostermann
1:0 Kuhn (2. FE), 2:0 Jankovic (25.), 2:1 Eilenfeldt (59.)
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